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Brandschutz und Arbeitssicherheit gehören zu den Grundlagen jedes Unternehmens, werden im Alltag jedoch oft unterschätzt. Im Gespräch mit einem Experten aus der Praxis zeigen wir, worauf es wirklich ankommt und welche Fragen Unternehmen sich regelmässig stellen sollten. 

Ist-Zustand und Wahrnehmung 

ITS: Wie nimmst du aktuell die Situation rund um Arbeitssicherheit und Brandschutz in Unternehmen wahr? 

Wunderle:
Der Ist-Zustand hat sich in vielen Betrieben im Vergleich zu den letzten Jahren kaum verändert. Was sich jedoch deutlich verändert hat, ist die Wahrnehmung. Seit Anfang Jahr setzen sich viele Unternehmen intensiver mit ihrer Verantwortung auseinander. Das Thema ist stärker präsent, und wir merken das auch an der zunehmenden Anzahl an Anfragen. 

ITS: Wie ordnest du Brandschutz im Verhältnis zur Arbeitssicherheit ein? 

Wunderle:
Für mich ist Brandschutz ein Teil der gesamten Arbeitssicherheit und des Notfallmanagements. Es geht nicht nur um einzelne Massnahmen, sondern um ein integriertes System. Dazu gehören Organisation, Prävention und das Verhalten im Ernstfall. 

Brandschutz ist somit ein wichtiger Baustein, aber eben nur einer von mehreren innerhalb eines grösseren Sicherheitsverständnisses. 

Typische Schwachstellen und Rollenverteilung 

ITS: Wo siehst du die häufigsten Schwachstellen in Unternehmen? 

Wunderle:
Oft sind grundlegende Elemente zwar vorhanden, aber nicht aktiv gelebt. Ein zentrales Thema ist die Sicherheitsorganisation. Rollen und Zuständigkeiten sind zwar definiert, aber im Alltag nicht präsent oder nicht klar verankert. 

Hinzu kommt, dass Notfall- und Evakuationskonzepte häufig eher theoretisch bestehen, aber selten geübt werden. Genau hier entstehen in der Praxis die grössten Lücken.  

ITS: Warum ist die klare Rollenverteilung so entscheidend? 

Wunderle:
Wenn Rollen nicht eindeutig geregelt sind, entstehen blinde Flecken. Im Ernstfall weiss niemand genau, wer welche Aufgabe übernimmt. Jeder handelt nach bestem Wissen, aber ohne abgestimmte Struktur. 

Das kann dazu führen, dass wichtige Aufgaben vergessen gehen oder doppelt ausgeführt werden. Besonders kritisch wird es bei Ereignissen wie einem Brand, wenn schnelle und koordinierte Entscheidungen gefragt sind. 

Verantwortung und Unternehmenskultur 

ITS: Welche Rolle spielt externe Unterstützung im Vergleich zur internen Verantwortung? 

Wunderle:
Externe Unterstützung ist sinnvoll, aber vor allem für spezifische Themen. Die Grundlagen sollten im Unternehmen selbst verstanden und getragen werden. 

Langfristig ist es effizienter, wenn Unternehmen intern Know-how aufbauen und Verantwortung klar verankern. Externe Spezialisten ergänzen dann gezielt dort, wo zusätzliche Expertise benötigt wird. 

ITS: Welche Rolle spielen Mitarbeitende und Führungskräfte? 

Wunderle:
Eine sehr zentrale Rolle. Ohne Unterstützung durch die Unternehmensleitung funktioniert es nicht. Arbeitssicherheit und Brandschutz müssen vorgelebt und im Unternehmen aktiv getragen werden. Nur so entsteht eine nachhaltige Sicherheitskultur. 

ITS: Welche Fragen helfen Unternehmen, ihren Stand zu prüfen? 

Wunderle:
Ein guter Einstieg ist, sich folgende Fragen zu stellen: 

  • Sind die vorhandenen Fluchtwege jederzeit frei zugänglich?  
  • Entspricht das Gebäude noch dem Stand der Bewilligung in Bezug auf Fluchtwege und Brandabschnitte?  
  • Gibt es feuergefährliche Bereiche im Betrieb und sind diese ausreichend geschützt?  
  • Wissen die Mitarbeitenden, wie sie sich im Brandfall verhalten sollen?  
  • Gibt es klare Zuständigkeiten für Sicherheit und Brandschutz im Unternehmen?  

Diese Fragen helfen, den eigenen Status schnell und pragmatisch einzuschätzen. 

Vorbereitung und Verhalten im Ernstfall 

ITS: Wie gut sind Unternehmen auf den Ernstfall vorbereitet? 

Wunderle:
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt gut vorbereitete Unternehmen und andere mit deutlichem Nachholbedarf. Eine pauschale Aussage ist schwierig. 

Im Ernstfall zeigt sich jedoch schnell, ob Strukturen und Zuständigkeiten funktionieren oder ob Unsicherheiten bestehen. 

ITS: Was läuft im Ernstfall häufig falsch? 

Wunderle:
Ein häufiger Punkt ist ein chaotischer Ablauf, weil Rollen und Verantwortlichkeiten nicht klar sind.  Das kann dazu führen, dass ein einfach zu löschender Entstehungsbrand zu einem Totalverlust führt, weil das Verhalten im Brandfall oder der Umgang mit Feuerlöschern nicht geübt wurde. Oder Mitarbeitende übernehmen spontan Aufgaben, ohne genau zu wissen, ob diese zu ihrer Rolle gehören und bringen sich selbst in Gefahr.  

Ein weiteres Thema ist der Umgang mit Fehlalarmen. Wenn aufgrund eines Täuschungsalarmes evakuiert wird sollte die Evakuation immer bis zum Ende durchgezogen werden, auch wenn alle schon wissen, dass es kein Ernstfall ist.  Die Menschen spekulieren sonst bei künftigen Alarmen mit dem Fehlalarm und reagieren nicht mehr. Viel besser sollten solche Situationen genutzt werden, um Abläufe zu trainieren und zu verbessern.   

Auch im Alltag zeigen sich Schwachstellen, etwa durch blockierte Fluchtwege oder offene Brandabschnitte.  

ITS: Was ist wichtiger: technische Massnahmen oder das Verhalten der Mitarbeitenden? 

Wunderle:
Beides ist entscheidend. Technische und bauliche Massnahmen müssen zuverlässig funktionieren, da sie die Grundlage für Sicherheit bilden. 

Gleichzeitig ist das Verhalten der Mitarbeitenden zentral, insbesondere in Betrieben ohne komplexe technische Anlagen. In der Praxis zeigt sich: Nur das Zusammenspiel beider Bereiche führt zu einem wirksamen Sicherheitsniveau. 

Schulungen und nächste Schritte 

ITS: Welche Rolle spielen Schulungen im Bereich Arbeitssicherheit und Brandschutz? 

Wunderle:
Schulungen sind ein zentraler Bestandteil der Arbeitssicherheit. Mitarbeitende müssen in ihre Rollen eingeführt und regelmässig instruiert werden. 

Je nach Thema können Schulungen intern oder extern durchgeführt werden. Wichtig ist, dass die notwendigen Kompetenzen vorhanden sind und regelmässig aktualisiert werden. 

ITS: Wie sollten Unternehmen vorgehen, wenn sie ihr Sicherheits- oder Brandschutzkonzept überprüfen möchten? 

Wunderle:
Ein sinnvoller erster Schritt ist eine Standortbestimmung. Dabei wird geprüft, wo das Unternehmen aktuell steht und wie gross die Abweichung zu den relevanten Anforderungen ist. 

Darauf basierend kann eine Gap-Analyse erstellt werden. Anschliessend lassen sich Massnahmen priorisieren und schrittweise umsetzen – sowohl organisatorisch als auch technisch und baulich. 

ITS: Was würdest du Unternehmen mitgeben, die das Thema bisher aufgeschoben haben? 

Wunderle:
Der erste Schritt ist, Verantwortung klar zu definieren und eine Zuständigkeit im Unternehmen festzulegen. Danach sollte das Thema strukturiert angegangen werden. 

Wichtig ist, nicht in Aktionismus zu verfallen, sondern nachhaltig vorzugehen. Sicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess innerhalb eines umfassenden Sicherheitsverständnisses.

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